Absurde Sprachgewalt

Absurde Sprachgewalt

Auf Kleinkunstbühnen und Poetry Slams begeistert er vor allem das junge Publikum. Trotz oder gerade wegen seines Alters räumt Sigi Hirsch dort die Preise und Auszeichnungen ab. Nun legt der 63-Jährige seine „lyrischen“ Texte auch in Buchform vor: „Ich hab so Sehnsucht nach Gewalt“ lautet der Titel des kriminell-absurden Werkes.

Auf 72 Seiten präsentiert der Bamberger Kabarettist seine fast drei Dutzend „kriminellen Gedichte und Geschichten“ und schafft das, was nur wenigen Autoren vergönnt ist: er provoziert, polarisiert und irritiert seine Leserschaft nachhaltig. Dieses furiose Kunststück gelingt dem listigen Silberfuchs mit schrägen Nonsens-Handlungen. Dabei dürfen Krimifreunde keine fesselnden, stringenten Abläufe erwarten; ebenso scheint die Logik manchmal auf der Stecke zu bleiben bzw. einen Ausflug in das Surreale und Absurde zu machen. Dennoch weiß Sigi Hirsch mit seiner schiefen, schrillen, teilweise frivolen und rotzfrechen Sprache gewaltig und gewalttätig zu überraschen: Zwei spitze Schreie / und ein „Jetzt gib du endlich Ruhe!“ / Sie war sowieso an der Reihe. / Jetzt liegt sie in der Truhe.

Fahrlässig oder gar vorsätzlich gedichtet? Uneinsichtiger Wiederholungskalauerer? Fest steht, dass der umtriebige Kabarettist und Verleger nach Bühne und Buch noch eine weitere Kunst- und Ausdrucksform für sich entdeckt hat: die Malerei. Am 5. Juli findet die Vernissage in seiner „PoetryArt“-Galerie in der Nürnberger Straße 23 in Bamberg statt, wo bis Oktober überwiegend schlichte Blumenmotive gezeigt werden.

Man darf gespannt sein, welches Opfer und Genre sich der malende und dichtende Grenzgänger als nächstes aussucht; über kriminelle Energie, Phantasie und Leidenschaft verfügt Sigi Hirsch ja reichlich, wie er eindrucksvoll in seiner „Sehnsucht nach Gewalt“ unter Beweis gestellt hat.

Detlef R. Pauly